15. April 2017

Versicherungsbetrug – ein Volkssport in Luxemburg

Immer noch ein Kavaliersdelikt

Haben Sie nicht auch schon einmal einen Schaden bei der Versicherung angegeben, der eigentlich keiner war? Haben Sie sich nicht auch schon einmal gedacht, dass Sie von ihren eingezahlten Prämien einmal profitieren könnten? Jeder zehnte Versicherungsfall der in Luxemburg gemeldet wird, dürfte ein Betrug sein. Jeder 23. Luxemburger hat seine Versicherung schon mindestens einmal übers Ohr gehauen. Versicherungsbetrug – ein Kavaliersdelikt!


Seien Sie mal ehrlich! Haben Sie nicht auch schon einmal etwas kaputt gemacht und sich über einen Bekannten oder Verwandten den Schaden von der Haftpflicht-Versicherung wiedergeholt? Wie Chris P. aus Luxemburg, der sein Handy hat fallen lassen: „Ich habe meiner Freundin gesagt, sie soll den Schaden bei ihrer Haftpflicht melden. Sie hätte es versehentlich vom Tisch geschoben. Es sei auf den Steinboden gefallen und kaputt gegangen.“


Oder zählen Sie sogar zu den Personen, die absichtlich einen Schaden herbeigeführt haben, um über die Hausrat-Versicherung an einen neuen Teppich zu kommen? Wie Claudette V., die ihre Zigarette auf den Teppichboden ihrer Mietwohnung hat fallen lassen. „Ich hätte den ganzen Teppichboden ersetzen müssen. Auf meine Kosten, weil für solche Fälle kommt die Hausrat nicht auf.“ Flugs setze sie ein kleines Teilstück des Teppichbodens kontrolliert in Brand. Und schon war es ein Versicherungsfall.


„Klar wird bei Versicherungsfällen getrickst“, sind sich Mitarbeiter der Versicherungsagentur Fränk Mack in Mondercange sicher. „Wir allein haben ein bis zwei Fälle pro Monat, bei denen der Verdacht auf einen Versicherungsbetrug besteht“, erklärt ein Mitarbeiter. Luxemburgs Versicherungswirtschaft geht davon aus, dass jeder zehnte Versicherungsfall getürkt ist. Dabei sind die meisten Betrüger keine fiesen Verbrecher.


Das Problem ist, dass die meisten Versicherten dies als Bagatelldelikt abtun. Und sie haben damit nicht einmal Unrecht. Selten geht es um mehr als 250 Euro, bei denen in der Regel keine Kontrolle durch die Versicherung durchgeführt werden. Die Beiträge, die man der entsprechenden Versicherung zuvor gezahlt hat, liegen oft höher. Doch die vielen kleinen Schummeleien summieren sich.


Bei geschätzten 168.000 Versicherungsfällen im Jahr sind das immerhin 16.800 Betrugsfälle. Mal geht es nur um ein Handy, eine Brille oder einen Kratzer im Autolack. Mal aber auch um viel höhere Summen. Etwa 28 Millionen Euro Mehrkosten verursachen solche Betrügereien, die die Versicherungsunternehmen mit den Versicherungsprämien auf alle Versicherten umlegen.

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    Fred Reinertz Barriera

    Das ist kein "win win" Situation, da mit gefälschten Fällen die Auszahlungen ja wieder bei der Berechnung der Prämien zu Zuge kommen und wir betrügen wir uns alle an Ende nur noch selbst....

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    Frank

    Es geht aber auch anders! Mir ist mal ein nagelneues Laptop meines Freundes auf den Bodengefallen, dies als ich ihm behilflich war beim Lösen eines Software-Problems, resp. der Bildschirm erlitt dabei einen Bruch als das Gerät auf den Boden fiel! Ich hatte dies dann der Versicherung gemeldet, leider wurde mir mitgeteilt, dass in diesem Fall die Versicherung nicht dafür aufkommt, dies weil ich dabei war mit dem Laptop zu arbeiten, ich hätte sagen/schreiben müssen, dass der Laptop auf dem Tisch gelegen hat und ist beim Vorbeigehen diesen berührte und auf den Boden gefallen ist, oder so ähnlich! Ja, ich hätte regelrecht lügen müssen/sollen, denn dann wäre die Versicherung für den Schaden aufgekommen! Fazit, habe nach 40 Jahren die Versicherung gewechselt, dies weil ich aus meiner Sicht diese Entscheidung persönlich nicht als korrekt empfunden habe, es wenn man will keine Regel ohne Ausnahme, zumal ich den Dienst dieser Versicherung in 40 Jahren selten in Anspruch genommen hatte!! Leider wie sie sehen geht es auch anders rum, Ehrlichkeit wird auch bei einer Versicherung nicht immer belohnt!

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