26. April 2017

Vermitteln, beraten, verwalten – Immobilienmakler haben einen vielfältigen Beruf

Luxemburgs goldene Handwerksberufe (IV)

Wenn ein Immobilienmakler Provision bekommt, denken viele: Leicht verdientes Geld. Doch ein seriöser Makler tut auch einiges dafür. Schließlich begleitet er seine Kunden beim oft größten Deal des Lebens. „Es geht um erhebliche Vermögenswerte, da braucht man fundierte Fachkenntnis“, erklärt Immobilienmakler Jean-Paul Frauenberg ganz im Sinne seiner gesamten Fachkollegen.

Immobilienmakler haben einen vielfältigen Beruf. Außendienst, Beratungsgespräche, Exposés, Kaufabwicklung – all das klingt sehr lebendig. Doch wie viele seiner Kollegen hadert Jean-Paul Frauenberg von der Immobilienagentur „Millebierg“ in Koerich allerdings ein wenig mit dem Image des Maklerberufs: „Viele glauben, das Geld liegt bei uns auf der Straße. Doch unser Job ist viel komplexer und härter als man es sich vorstellt.“

Der Aufwand ist nämlich immens. Der Immobilienmakler muss schließlich die Wohnung, das Haus oder ein Baugrundstück abnehmen, fotografieren, die Nachbarschaft erkunden. Er muss die Immobilie schätzen und den möglichen Verkaufspreis berechnen, muss vermitteln, beraten, verwalten und er sollte sich mit den Gesetzen auskennen. Er muss Zeitungsannoncen aufgeben, im Internet inserieren und dabei auch die Gebühr für Anzeigen auf Immobilienseiten zahlen. Später muss er die Bewerber einzeln sichten. Das kostet Zeit.

Egal, ob Berufsanfänger oder Quereinsteiger – Immobilienmakler kann jeder werden. Zwar fordert der Beruf an sich weder Ausbildung noch Studium und auch keinen bestimmten Schulabschluss. Dafür aber eine behördliche Maklererlaubnis. Und die erfordert jede Menge Fachwissen, soziale Kompetenzen, hohes Engagement, ein dickes Fell sowie den Willen sich ständig weiterzubilden. Um diesen Beruf zu ergreifen, müssen Makleranwärter eine ganze Reihe an Voraussetzungen erfüllen.

„Zuerst durchläuft man bei der Chambre de Commerce einen fünfmonatigen Lehrgang. Der beinhaltet allein mehrere schriftliche Tests“, fasst Frauenberg die Strapazen der ersten Monate zusammen. „Was folgt sind drei Monate Ausbildung in einer Immobilienagentur. Rund 1.500 Seiten Material hat man zu lernen“ Bevor der Makleranwärter eine mündliche Prüfung absolviert, die sich sehr nah an der Praxis orientiert.“.

„Es ist die Abwechslung, die den Job so schön macht. Er ist nie gleich! Und man muss immer auf der Höhe der Zeit sein. Den Immobilienmarkt beobachten und vorhersehen, was passiert“, erklärt Jean-Paul Frauenberg für viele seiner Berufskollegen die Faszination seines Berufs. Doch eins ist ein Muss: Vor allem muss der Makler kontaktfreudig und kommunikativ sein. Ein sicheres Auftreten, Menschenkenntnis und Verkaufstalent haben. Aber auch ein hohes Maß an Frustrationstoleranz, Risikobereitschaft und Gelassenheit sind empfehlenswert.

Guter Nachwuchs ist im Immobiliengeschäft nach wie vor gefragt. Wie viele Immobilienmakler in Luxemburg führt Frauenberg dies auf einen Fakt zurück: „Die meisten Makleranwärter werden auf Kommission bezahlt. Wenn es bei ihnen nicht läuft, geben sie auf. Und gute Leute machen sich selbstständig.“ Für Berufsanfänger hat der „alte Hase“ deshalb einen Tipp: „Man sollte fest davon überzeugt sein, dass man diesen Job auch kann. Und man sollte zuerst in einer Agentur arbeiten, weil dort Menschen mit Erfahrung arbeiten. Am besten zuerst mit einem Festgehalt.“

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