29. März 2017

Französisch-Kenntnisse im freien Fall

Luxemburgs Sprachwelt steckt mitten im Wandel

Auf den ersten Blick passt gar nichts zusammen! 90.000 Arbeitnehmer sind es, die jeden Tag aus dem französischen „Grand Est“ nach Luxemburg kommen. Eine massive Steigerung. Ein Jahr vorher waren es 4.200 weniger. Und trotzdem nimmt Luxemburg auf Raten offenbar Abschied vom Französischen. Das Niveau der Französisch-Kenntnisse befindet sich beinahe im freien Fall.


Rückblende: die sechziger Jahre des letzten Jahrhunderts! Da galt Französisch in Luxemburg als das sprachliche „Non-plus-ultra“! Der Krieg und die Nazi-Besatzung waren immer noch fest in den Köpfen der Luxemburger verankert. Der Trend war klar Richtung Frankreich und Französisch angesagt. Die Folge: In Sachen Grammatik konnten es selbst angehende Studenten aus Frankreich an französischen Unis mit den jungen Luxemburgern aufnehmen.

 

Heute gilt bei den Luxemburgern Französisch längst nicht mehr als „fein“.


Das kommt nicht von ungefähr. Denn für junge Menschen im Großherzogtum ist es schwer und kompliziert, Französisch zu lernen.


Während Regierung und das Institut français du Luxembourg versuchen, dagegen zu steuern, haben die Luxemburger selbst ihre Entscheidung getroffen. Immer mehr setzt sich das Luxemburgische selbst durch. Das war vor allem Thema der Woche der Frankophonie.


Ist Luxemburg mit seinem „Latein“ am Ende?


Immer früher soll in Zukunft Französisch gelernt werden. Schon in der Crèche geht es los. Ob der Trend damit zu stoppen ist, ist fraglich!


Denn das Lëtzebuergesch nimmt Fahrt auf. Gesprochen wurde es schon immer im Ländchen. Was neu ist: Noch nie wurde so viel auf Luxemburgisch geschrieben. Facebook, WhatsApp und Co machen die Sprache nicht nur salonfähig, sondern auch so lebendig wie nie.


Nicht von ungefähr hat die Luxemburgisch-Petition von Lucien Welter so einen großen Zuspruch erhalten. 15.000 Luxemburger haben sich dafür eingesetzt, dass ihre eigene Sprache in der Verfassung verankert wird. Als erste Amtssprache!


Tatsächlich stellen Institut français, Lehrer und auch Arbeitgeber fest: Die Französisch-Kenntnisse junger Luxemburger befinden sich im tiefen Fall. Vor allem in der Grammatik, die noch vor ein paar Jahrzehnten die Kernkompetenz von Luxemburgs Schulabgängern war.


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    Realist

    "Stagiaires" aus oberen Sekundarklassen, insbesondere diejenigen vom "Secondaire technique", die in Betrieben ein Volontariat absolvieren oder einen Studentenjob ausüben, kann man heute getrost als funktionale Analphabeten bezeichnen. Hinzu kommen eine praktisch nicht mehr vorhandene Allgemeinbildung und eine erschreckende Unfähigkeit, Probleme, unvorhergesehene Situationen und alltäglichste Lebensentscheidungen ohne Youtube, Facebook und Instagram anzugehen. Das Problem stellt sich also nicht nur bei mangelhaften Französischkenntnissen, sondern ganz allgemein beim schulischen und intellektuellen Niveau. Ein kleiner Trost: Auch die Grenzgänger aus Frankreich beherrschen ihre Sprache immer weniger, insbesondere was Grammatik und Rechtschreibung angeht. Auch da läuft doch praktisch alles nur noch auf "Le travail m'a tuer"-Niveau ab. Das hilft unseren Kindern hierzulande zwar recht wenig, aber... na ja. Besser als nichts. Man wird bescheiden. Die Zeiten, in denen Luxemburger Sekundarabsolventen praktisch unbesehen und ungeprüft an ausländischen Unis mit Kusshand genommen wurden, sind halt vorbei.

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    Nomi

    """Die Französisch-Kenntnisse junger Luxemburger befinden sich im tiefen Fall. Vor allem in der Grammatik, die noch vor ein paar Jahrzehnten die Kernkompetenz von Luxemburgs Schulabgängern war."""

    Die Französisch-Kenntnisse der franzosen befindet sich im tiefen Fall. Vor allem in der Grammatik, und Schreiben.

    """Auch die Grenzgänger aus Frankreich beherrschen ihre Sprache immer weniger, insbesondere was Grammatik und Rechtschreibung angeht. Auch da läuft doch praktisch alles nur noch auf "Le travail m'à tuer"-Niveau ab""".

    Ech, Letzeburger, sinn an den 60er-70er an Frankreich an de Kolleig, Lycée an Uni gangen. Well ech am Fransei'ch besser war als Sie, sin ech "De Franso'uss" genannt ginn !!!!

    Et ass einfach lammentabel waat haut aus der fransei'cher Spooch gemaach gett.

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    ed

    Immens, dass op der Tafel op der Foto "trottoir" mat "e" steet.

    Dann ass et vläicht net de Schüler hire Feeler, wann se déi Topegkeeten esou geléiert ginn...

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    Lerscho39

    wann ee säi Liewen laang an der "Schoul" geschafft huet , weess een datt eis Kanner a Schüler eng zolitt Basis am Franséischen haten . Am Däitschen huet et méi gehappert. Nomi(m/w/) huet recht , well bis an déi 80er an 90er Joren sinn eis Unisstudenten (m/w) z.B. zou Stroossbuerg , ganz gutt ugeholl ginn , a konnten och de Fransousen an der Grammatik an Orthograhie eppes virman . Se goufen esouguer vun deene Proffen bewonnert . An haut? Se mussen elo mol ee Jor "Préparatoire " man , a........ packen . Mir si wäit komm . Schued .

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