8. März 2017

Fake-News à la RTL

Wenn Luxemburgs Radio die Welt erklärt

Selten habe ich einen größeren Blödsinn gehört, als die Erklärung des Begriffs Fake News von Eric Hamus (Foto) in der Rubrik „Dat weess dach all Kand“ von RTL Radio. Es beginnt schon allein mit der Feststellung: „Journalisten die falsche Nachrichten verbreiten sind keine Journalisten.“ Journalisten sind bekanntlich auch nur Menschen. Und Menschen machen Fehler. Journalisten ihren Berufsstatus abzusprechen, wenn sie einer falschen Information aufgesessen sind und diese publiziert haben, grenzt eindeutig an Überheblichkeit. Es ist die Frage, wie man mit einer erkannten Falschmeldung umgeht. Und da steht RTL mit seiner „Affäre Lunghi“ in der ersten Reihe! Laut dieser Auslegung von RTL, gäbe es eigentlich keine Journalisten beim nationalen Sender mehr.

Bei der Frage, wie erkennt man eine Fake News, wird es echt bizarr: „Titel in großen Buchstaben und mit Ausrufezeichen.“ Damit dürfte fast jede existierende Boulevardzeitung weltweit aus unzähligen Fake News bestehen. Wie zum Beispiel „Bild“ oder „Sun“ oder „Le Parisien“. Diese Behauptung von Eric Hamus selbst, kann man bereits als Fake News von RTL bezeichnen.

Doch der Blödsinn von Eric Hamus geht munter weiter. Eine Fake News erkenne man daran, dass von einem „Geheimnis“ gesprochen wird, „von dem die ‚normalen Medien‘ nicht reden“. „Wenn Bezug auf ein Gerücht“ oder „anonyme Personen“ genommen wird. Totaler Blödsinn! Gerade investigative Journalisten haben oft keine andere Möglichkeit, in ihren Medien bei der Aufdeckung von Betrugsdelikten, weitreichenden Politik-Skandalen oder Staatsaffären so zu verfahren. Und sie haben ihren Informanten anonym zu halten, um ihn vor Repressalien zu schützen. Aber von investigativem Journalismus ist RTL als Staatssender ja weit entfernt.

Die Behauptung, dass man eine Fake News daran erkennt, dass der „Artikel ohne Nennung des Autors“ erscheint, ist fast schon als schwachsinnig zu bezeichnen – und das ist kein Fake! Es gibt unzählige Zeitungen, wie beispielsweise „Le Canard enchaîné“, die oft auf Nennung der Autoren verzichten oder Pseudonyme verwenden. Was rechtlich durchaus erlaubt ist. Denn Medien dürfen ihre Mitarbeiter vor Repressalien schützen. In der Auseinandersetzung mit politischen und religiösen Fanatikern ein durchaus zunehmender Trend bei den Medien.

Der Höhepunkt des Schwachsinns ist jedoch die Behauptung, dass Fake News daran zu erkennen sind, dass sie „keine Originalfotos“ verwenden, sondern sie von seriösen Newsseiten „geklaut“ sind. Mit dieser Behauptung dürfte François Mitterrand († 8. Januar 1996 in Paris) heute noch leben. Denn sämtliche Medien verwendeten damals ein und dasselbe Foto des toten Staatspräsidenten auf seinem Sterbebett, weil es nur ein „Originalfoto“ gab. Und die haben es nicht „geklaut“, sondern sie haben es gekauft. Bleibt die Frage: wie erkennt man, ob ein Foto „geklaut“ oder gekauft wurde?

Dabei ist der Begriff Fake News schnell erklärt: Als Fake News werden absichtlich lancierte beziehungsweise veröffentlichte Falschmeldungen bezeichnet! Da wirkt es schon wie Hohn, wenn Eric Hamus behauptet: „Seriöse Medienhäuser sind oft zurückhaltender, doch dafür aber kann man sicher sein, dass die Informationen stimmen.“ Und eine Kinderstimme entgegnet: „Deshalb höre ich RTL.“ War es nicht RTL, das absichtlich einen zusammengeschnittenen Angriff von MUDAM-Chef Lunghi auf eine RTL-Mitarbeiterin ins Fernsehen lancierte? Und sich damit zum Vorreiter von Fake News in Luxemburg machte?

Heinz Kerp

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