17. April 2017

Die Idioten der sozialen Medien

Der Kommentar der Woche

Soziale Medien nehmen überhand. Und das „Sich zur Schau stellen“ auf Facebook und Konsorten auch. Und trotzdem würde ich niemals die unzähligen Fans des Exhibitionismus auf den sozialen Netzwerken als Idioten betiteln. Wenn dieses „Sich zur Schau stellen“ diesen Menschen psychisch, sozial oder ganz einfach in ihrer eigenen Wertschätzung hilft und für sie unverzichtbar ist, warum nicht? Wenn es einen aufgeilt, mein Haus, mein Auto, mein „Ich weiß nicht was“ stetig zu zeigen, um den anderen bewusst zu machen, wie geil man ist, wie beneidenswert man da steht, wie heldenhaft man agiert, wie stark man zu „denen da oben“ gehört, wie es der eine oder andere Politiker auf Facebook vorlebt, dann soll das so sein. Den meisten Menschen entlockt dies nur ein müdes Lächeln. Wenn nicht bekannte Personen unbedingt mitteilen wollen oder müssen, was sie gerade tun oder verspeisen, wo sie gerade unterwegs sind, und auch die belanglosesten Bilder ihnen helfen, sich für ein paar Momente wichtig zu finden, dann soll auch das so sein. Facebook und Co erlauben es so manchem, sich wichtig, schön, bedeutend, eifersuchtserweckend und bewundernswert zu fühlen, obwohl sein Leben eigentlich niemanden interessiert. Wenn‘s hilft…

Ekelhaft und pervers wird es allerdings, wenn die Idioten loslegen. Diese Idioten sind hier in Luxemburg Menschen, die in zwei sich oft vermischenden Kategorien agieren.

Beispiel eins ist am wenigsten schlimm. Da stellt der Kontobetreiber irgendeinen Sch… ins Netz, und jeder bewundert ihn in seinen Kommentaren. Da kann schon mal eine 120-Kilo-Frau in Leggins als „ganz schéin“ bezeichnet werden oder irgendein Griff ins Klo als super gelten. Anbiederung und Unterwürfigkeit findet man ebenfalls oft, vor allem von einfachen Bürgern gegenüber von Politikern und Prominenten.

Aber die schlimmsten Idioten tauchen in Beispiel zwei auf. Da kann man tagein tagaus Sätze lesen wie diesen: „Ich weiß zwar nicht, um was es in dieser Diskussion geht, aber ich gebe dir hundertprozentig recht!“ Originalzitat! Wie? Was? Warum? Oder, Menschen, die unumwunden zugestehen, dass sie den zu kommentierenden Text gar nicht verstehen können, weil sie die Sprache, in der der Text verfasst ist, gar nicht lesen können, kommentieren trotzdem ohne Rücksicht auf Verluste. Ich kann es nicht lesen, ich habe es nicht gelesen, ich habe es nicht verstanden, aber ich gebe meine Meinung dazu. Verrückt? Nein, alltäglich in den sozialen Netzwerken.

So einige unter meinen Lesern werden sich wohl leider auch unter diesen Menschen wiedererkannt haben. Aber sie können ja ihr Benehmen ändern. Nur wäre das wohl viel verlangt in einer Gesellschaft, in der immer mehr alles unüberlegt unternommen, unverdaut wiedergegeben und rücksichtslos weitergegeben wird. So ist das Bild, das unsere heutige Gesellschaft von sich gibt und das ist kein schönes Bild.

Aber gegen Dummheit und Idioten ist eben kein Kraut gewachsen.

Jean Nicolas

  • image
    svendorca

    dann erklär mir mal einer warum, ein Trump , Flüchtlinge öffentlich als Verbrecher zitieren darf, und ein einfacher normaler Bürger sich vor der Justiz in acht nehmen muss? Warum soll ich denn mein Benehmen ( Meinung ) ändern, nur weil ich von mir überzeugt bin dass ich meinem Hirn richtig gehandelt habe.

  • image
    Arbechter

    Zu dem letzten Satz könnte auch noch passen..."ach wie gut dass niemand weis, dass ich Rumpelstielchen heiss"...was allerdings mit der heutigen Überwachungstechnik zu bezweifeln ist

Kommentieren