27. Februar 2017

Die Geächteten und die Schleimer

Der Kommentar der Woche

Da läuft so manches schief in Luxemburgs Medien, und die Lage dieser Medien in einem demokratischen Staat ist wohl nicht nur einmalig, sondern vor allem gefährlich pervers.

Der Staat Luxemburg entscheidet, welche Medien genehm sind und welche nicht. Gefällt ein Verlagshaus der Regierung nicht, dann wird es – wie in den besten totalitären Staaten – totgeschwiegen und boykottiert. Ja, es wird Negationismus bis aufs Äußerste betrieben, und die „Kollegen“, die nicht geächtet werden, helfen tüchtig mit. Pressefreiheit gibt es nur auf dem Papier, denn da sämtliche genehmen Medien – die audiovisuellen inbegriffen – mit Staatsgeldern am Leben gehalten werden, kann man sich natürlich keine richtige Kritik gegen Institutionen und Staat leisten. Das System ist clever gestrickt, da man alle Gesetze der Pressefreiheit angenommen hat, die „Kollegen“ sich aber aus Eigeninitiative zensieren, anpassen und sich in vorauseilendem Gehorsam üben. Und so ist das Gerede um eine freie Presse in Luxemburg eine regelrechte Fakenews!

Apropos Fakenews: Das „Wort“ scheint zum Champion dieser Art von Wahrheitsverzerrung zu werden. Da schreibt man geschwollene Kommentare über das vermeintliche Fehlverhalten der Konkurrenz und hat dabei dasselbe getan. Originaltext aus dem „Wort“: So geschehen auch im aktuellen Fall des am Dienstag beim Zugunglück in Bettemburg verstorbenen Lokführers. Manche Medien entschieden sich dafür, noch am gleichen Tag den vollen Namen und ein Foto des Mannes zu publizieren. Das „Luxemburger Wort“ entschied sich dagegen“. Schreibt das „Wort“, obschon diese Zeitung sowohl ein Bild des toten Lokführers veröffentlichte, wie auch seinen Namen (Lesen Sie dazu auch Seite 3).

Was manipulierte und gefälschte News angeht, hat RTL vor einigen Wochen bewiesen, zu was ein sich negativ boulevardisierender Sender fähig ist, als man den in dem Fall etwas dämlichen Ex-Mudam-Direktor auf abstoßende Art hereinlegte. Es war nicht zum ersten Mal, dass bei RTL Menschen überlistet wurden. Nur dieses Mal hat es geknallt, und der unsägliche Generaldirektor Berwick, dessen Abgang „Privat“ bereits seit Jahren verlangte, musste gehen. Der Journalist, der den Stein ins Rollen gebracht hatte, Alain Rousseau, ging ebenfalls und wurde jetzt durch Guy Weber ersetzt.

Und diese Nominierung birgt Hoffnung. Ich habe persönlich vor etwas mehr als fünfzehn Jahren mit dem RTL-Mann bei verschiedenen punktuellen Themen zusammengearbeitet. Ein ordentlicher und angenehmer Mensch, ein ehrlicher und objektiver Journalist, ein brauchbarer und fachlich kompetenter Kollege. Danach habe ich ihn aus den Augen verloren. Wenn Weber diese Eigenschaften in sein neues Amt hinübergerettet hat, dann könnte das doch etwas heruntergekommene RTL-Journal womöglich einen zweiten Frühling erleben. Wenn man den Mann denn machen lässt…

Denn egal wie gut, kompetent und ehrlich man in Luxemburgs Medienwelt ist, man ist nicht frei, man ist stetig unter Druck von oben, denn man muss im Interesse des Staates, der Institutionen, der Anzeigenkunden und der Mächtigen werkeln. Oder man arbeitet bei der geächteten Presse, die einzige, die weder von Staat noch Anzeigenkunden abhängt und wo die Journalisten noch den Job so machen, dass sie sich nicht schämen müssen!

Jean Nicolas

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    Lerscho39

    déi Pressenzensur gëtt et jo och am héckste Mooss beim Trump ..... an Erdogan .

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    De Grumpy

    Mir kënne frou an och houffrëg sinn dass ëtt de PRIVAT gëtt ! Merci.

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