13. März 2017

Der Verrat

Der Kommentar der Woche

Die alten Menschen sitzen rum. Manche teilnahmslos, manche mit verträumtem Blick, der in die Ferne schweift, die meisten versunken in Gedanken an früher, in Souvenirs und schönen Erinnerungen gefangen. Von Zeit zu Zeit gleitet ein Lächeln über das Gesicht dieser Frau oder jenes alten Mannes. Es ist ruhig und irgendwie zu still in diesem Altenheim, wäre da nicht dieser um die neunzig Jahre alte Opa, dem die Brille vor Aufregung bei der Lektüre einer einheimischen Zeitung fast von der Nase rutscht.

Der alte Mann schaut mich an, will offensichtlich reden. Interessiert mich sein Geschwätz von gestern überhaupt? Aber irgendwie habe ich Mitleid mit ihm, diesem verrunzelten Gesicht mit den hellwachen Augen und diesen knorrigen und von „Friedhofsblumen“ geschmückten Händen. Ich setze mich zu ihm und höre ihm zu.

Seinen Namen kann ich hier nicht nennen, denn es wird sich wohl ein Luxemburger Staatsanwalt finden, der die Gedanken des Mannes, die er gerade ausspricht, verfolgen wird. Irgendwie Aufruf zu Hass oder Ausländerfeindlichkeit daraus machen wird.

Der alte Mann redet – oh Schreck, schon wieder? – vom letzten Krieg, von seinem Lëtzebuerg, für das er beinahe gestorben wäre. Er kämpfte damals auf der richtigen Seite, der der Alliierten, mit seinen 18 Jahren, erzählt er. Weil er sich der Wehrmacht in Luxemburg entzogen hatte, wurden seine Eltern deportiert, verschwanden in irgendeinem Konzentrationslager in Schleswig-Holstein. Er trauert im Gespräch um seine Kollegen, Mitsoldaten, die den Krieg nicht überlebten. Aber wir haben gekämpft, auf Leben und Tod, um die Devise unseres Landes hochzuhalten, zu respektieren: Mir wëlle bleiwe wat mir sinn!

Ist da nicht Feuchtigkeit im Auge des alten Mannes, wenn er davon spricht, dass sie alle Idealisten waren, die sich opferten, damit Lëtzebuerg Lëtzebuerg bleibt? Und als er feststellt, dass nur wenig von dem, für das er damals kämpfte, übrig geblieben ist? Dass unser Land sich so stark, zu stark verändert hat?

Seine knorrige Hand landet auf meiner, sein getrübter Blick sucht meine Augen. „Wo ist das ‚Mir wëlle bleiwe wat mir sinn hingekommen?“, fragt er mit zittriger Stimme. Ich kann so einige Fremdsprachen, hält er fest, und habe folglich kein Problem mit dem inzwischen im Ländchen und in diesem Seniorenheim herrschenden Sprachchaos. Ich war immer ein überzeugter Europäer und habe also auch nicht viele Probleme mit diesem Vereinten Europa, auch wenn vieles korrupt und ungerecht ist. Aber er kann nicht verstehen, dass man heutzutage in seinem Luxemburg fremden Kulturen regelrecht hinterherläuft, sich bei ihnen anbiedert, damit sie langsam aber sicher unsere eigene Kultur ersetzen. Dass man generell Ausländer in diesem, seinem Land aufnimmt, stört ihn nicht. Sie aber jetzt regelrecht dazu zwingt, mitzubestimmen, mitzuentscheiden, ohne dass sie irgendeine seriöse Bindung zum Land haben, macht ihn verrückt, traurig.

Früher haben wir unsere Grenzen, unser Land und unsere Kultur mit unserem Leben verteidigt. Heute verramschen wir unsere Nationalität, verschenken wir unseren politischen Einfluss und finanzieren wir auch die, die dem Land Schlechtes wollen. Vor fast neunzig Jahren sah keiner die heranwachsende Gefahr. Und heute will keiner sie sehen, klagt er.  Und das bedeutet für den alten Mann, dass das damals Geleistete umsonst war, dass die Politik ihn und seine Kameraden verraten hat.

Jean Nicolas

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    svendorca

    schauen wir uns doch nur Zahlen an, wo die Hauptstadt mit 67% von Ausländer bevölkert ist, ( Tedenz steigend ) dann merkt man wo die Reise hingeht. Eine Statistik wäre es doch mal wert, wieviel Bürgermeister es in Luxemburg gibt mit Migrationshintergrund, Abgeordnete, Ministern. Multikulti ja, aber mit Verstand, und deren besitzen viele von unseren Eliten nicht. Viele Senioren gehen nicht mehr in die Stadt spazieren, warum wohl? Richter hin oder her, ich kann beweisen da wo ich gelebt habe, habe ich meine Steuern oder Sozialbeiträge geleistet, ohne einem Staat auf der Tasche zu liegen.

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    Jean-Marc

    Es sind jetzt einige Jahre her, da hat ein früherer Bürgermeister zu mir gesagt:

    "Ausländer sind die Luxemburger von morgen!" 

    Es ging bei dem Gespräch damals, um die Baupolitik der Gemeinde. Ich hatte mich

    lobend über eine ausländische Familie geäußert, welche ein altes, verkommenes Haus

    zu einem Schmuckstück im Ortskern hat werden lassen.

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