27. März 2017

Das „Geschäftsmodell“

Der Kommentar der Woche

Jeder müsste eigentlich wissen, dass der Beruf des Anwaltes in den letzten Jahrzehnten zum Symbol für Parasitentum geworden ist. Ein im Grunde genommen unnötiger Beruf, den nur die Verdorbenheit und die Unehrlichkeit von uns allen dermaßen in den lukrativen Vordergrund gedrückt hat. Warum diese negative Bemerkung meinerseits über die Gaukler des Justizsystems? Weil binnen weniger Tage zwei von dieser Sorte sich am „Geschäftsmodell“ von „Privat“ gerieben haben. Das sowohl dem einen – ein Mann, der normalerweise für Menschenrechte eintritt – als auch dem anderen – ein führender Anwalt der Berufskammer – ein Dorn im Auge ist.

„Geschäftsmodell“, schreibt der erstgenannte und macht sich dabei lächerlich. Ich habe dieses „Geschäftsmodell“ vor elf Jahren hier in Luxemburg ins Leben gerufen. Ich habe dabei nichts erfunden, denn dasselbe Modell läuft genauso erfolgreich in vielen anderen europäischen Ländern, ohne dass  besserwissende und arrogante Anwälte dem Volk seine Lektüre verbieten wollen.

Hinter diesem Begriff „Geschäftsmodell“ verbirgt sich eine dramatische Realität, die eigentlich nur verkauften Seelen wie Anwälte es nun mal meistens sind, missfallen mag. Auf jeden Fall in Luxemburg. Ein Privatunternehmer – keine Lobby also – gründet eine Zeitung, die prioritär vom Ertrag des Verkaufes an die Leser und nicht von der Werbung leben soll. Ein Medium also, das völlig unabhängig vom Geld der Anzeigenkunden überlebensfähig ist. Effektiv ein überraschendes „Geschäftsmodell“, das keine politischen oder wirtschaftlichen Thesen vertreten will, sondern nur über das informiert, was den gemeinen Leser auch interessiert. Aber es kommt noch schlimmer: Ein „Geschäftsmodell“, das die Unterstützung des Staates ablehnt, das beweist, dass man auch Zeitung machen kann, ohne vom Staat bestochen zu werden, das seine Unabhängigkeit also weder an den Anzeigenkunden noch an den Staat verkauft. So ein „Geschäftsmodell“ darf es in Luxemburg doch nicht geben, denn dessen Journalisten können ja schreiben, was sie denken, ohne dass das Establishment, zu dem die Anwälte – vor allem unser zweiter Widersacher – sich ja so gerne hinzuzählen, einschreiten kann. Solchen gefährlichen Journalisten ist nicht beizukommen, die passen doch gar nicht in die schöne, brave und ansonsten gut abgedichtete Medien- und Informationskultur Luxemburgs.

Kann man denn nicht wenigstens die Journalisten dieses Verlages auf persönlicher Basis verwöhnen, kaufen, beeinflussen, beschenken? Auch das ist nicht in diesem so verabscheuten „Geschäftsmodell“ vorgesehen. Und das können Anwälte, die sich oft so gerne einladen lassen, nun gar nicht verstehen… Bei „Privat“ bezahlt der Journalist seine Rechnung selbst, ob er nun im Restaurant zu Tisch sitzt, mit Luxair irgendwo hinfliegen muss oder an einer Veranstaltung teilnimmt. In diesem „Geschäftsmodell“ wird keine Einladung angenommen, und man lässt sich nicht „d’Panz schwenken“ oder profitiert von Rabatten, weil man von der Presse ist, weil man durch einen Artikel oder Beitrag helfen oder schaden kann.

Und so hat diese Zeitung das behalten und ausgebaut, was den Anwälten, aber vor allem den Journalistenkollegen, abhandengekommen ist: ihre Unabhängigkeit. Wenn „Privat“ lobt, dann ist das kein gekauftes Lob, wenn „Privat“ kritisiert, dann ist das nicht, um sich zu rächen oder jemand anderem Freude zu machen. Und somit ist und bleibt „Privat“ die EINZIGE unabhängige und freie Presse in einem immer mehr im Sumpf der verlorenen Objektivität und der Korruption versinkenden Ländchens. Und dies erklärt dann auch den tollen Erfolg dieses in Luxemburg einmaligen „Geschäftsmodells“.

Jean Nicolas

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    svendorca

    wenn Pressefreiheit nicht für die kleinste Schreibstube gilt, ist dieses Grundrecht nichts viel wert, oder ist Pressefreiheit nur die Freiheit von 200 reichen Leute ihre Meinung zuverbreiten! Ist nicht der Journalist auch ein Vertreter von uns allen, oder ist es wirklich so: "Wes Brot ich ess, dessen Lied ich sing".

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    svendorca

    darf man eigentlich Akten, Büros und Wohnungen eines Journalisten durchsuchen, ohne dass man einer Strafftat verdächtigt ist, oder hat man öfters " Privat " einschüchtern wollen!!!

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    Arbechter

    Geehrter Herr Jean Nicolas, frage mich was Sie da noch wundert bei Ihrem Artikel "Geschäftsmodell" der Anwälte, ohne Ihnen etwas näher zu treten, aber lesen Sie mal den Editorial von Herr Alvin Sold im Tageblatt vom 25.03.2017 "Politiker und Geld", das spricht Bände von der politischen und industrialisierter "Klasse",- wie soll denn die "Mittelfurtzklasse" denn gegen solche " Korruptionshaie" sich denn verteidigen können wenn es um Recht geht gehen sollte,- zudem diese Patienten ein zwei Millionen auf den Tisch blättern können ohne dass das sie irgendwie kratzen könnte,- der Satz von politischer Hygiene ist da schon richtig angebracht, sowohl im "Geschäftsmodell" von solchen Bonzen die auch nur furtzen können, ohne fresch zu sein,- aber es muss ein Neuanfang geben gegenüber dem schaffendem industrialisiertem sozial Salariat, vielleicht wäre die beschriebene Form von Anarchie im Internet,Wikipedi, eine wirkliche Lösungsformel zu den aktuellen Problemen unserer Zeitrechnung,.....

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    Hunter

    Lieber Herr Nicolas 

     

    Ich bin absolut Ihrer Meinung. In den USA gelten lawyer ohnehin seit Jahren als das allerletzte.

    Die in Luxemburg ansässigen ME sind allerdings der Gipfel der Unehrlichkeit und unehrenhaften Verhaltens.Es gibt zB Anwälte  die Arbeiten für in Luxemburg bekannte Gangster und glauben Sie können andere beschuldigen.

    Andere nehmen Informationen und geben diese an andere weiter,natürlich umsonst.

     

    Mein einziger Trost. Karma is a  Bitch

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    Serenissima

    Die Anwalt Klasse in Luxemburg ist von der verruchten Sorte in Sachen Knete, wie sagt der Franzose "...c'est la merde qui attire les mouches...." und wir haben sehr viele Geld....im Finanzdienstleistungsbereich, Panama Gesellschaften usw...also goldene Schxxx und da wollen die Rechtsverdreher mit mischen und ihren Teil abhaben...in unserem Parlament sitzen auch viel Anwälte Rechtsverdreher die dafür Sorge tragen dass die Gesetzgebung immer genügen Löcher enthält damit sie im Trüben fischen können und Kohle machen können.....hast la vista in Großherzogtum....

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