13. Februar 2017

Autistischer Kniebeuge-Journalismus

Der Kommentar der Woche

Dass die lieben „Kollegen“ „Privat“ nicht mögen, habe ich als Gründer dieser Zeitung bereits vor über zehn Jahren erlebt. Und ich kann die werten „Kollegen“ verstehen, denn jede Woche, seit weit mehr als 500 Mal, beweist „Privat“ ihnen ihre Inkompetenz. Sie haben ihre Seelen an Staat, Regierung und Lobbys verkauft. Sie müssen denen huldigen, die sie ernähren, und können sich gar nicht vorstellen, dass ein nicht subventionierter Journalismus und ein unabhängiger Verlag nur dank ihrer journalistischen Arbeit überlebensfähig sind. Jede Woche erinnert „Privat“ sie daran, dass man auch ohne „Pressehilfe“ und Abhängigkeit von Anzeigenkunden dank seiner Leserschaft über die Runden kommen kann.

Ich kann verstehen, dass das weh tut. Ich kann allerdings nicht verstehen, dass die eigene Inkompetenz sich in Hass auf die verwandelt, die frei sind, die keinen Kniebeuge-Journalismus betreiben müssen. Die einen viel schwereren Weg gehen, der sie aber mit weitaus mehr Zufriedenheit erfüllt.

Die Hass-Welle, die vergangene Woche durch eine bedauernswerte Verwechslungspanne losgetreten wurde, unterstreicht, wie mickrig, wie begrenzt und wie krank Luxemburgs professioneller Journalismus ist. Das hat schon was von Inzucht, von Autismus…

Ich bin in den letzten vierzig Jahren ein bisschen in der Welt herumgekommen, nicht um PR-Reportagen oder Einladungsreisen durchzuziehen, sondern um aus Kriegsgebieten zu berichten, um – es tut mir eigentlich leid, es hier anzuführen, aber es muss nun mal sein – für die größten Medien Europas zu berichten. Ich hab in die größten europäischen Redaktionsstuben hineingesehen, aber so ein kranker Journalismus wie in Luxemburg ist mir nie über den Weg gelaufen.

Dermaßen krank, dass ein Presserat-Generalsekretär von einer der meist gelesenen Zeitungen seines Landes sagt, sie gehöre nicht zur Luxemburger Presse. Eine Formulierung, die an böse historische Zeiten erinnert! Und ausführt, dass diese Art von „Blatt“ eigentlich nicht existieren darf. Wie wenn man in Deutschland die „Bild“ oder andere Boulevardzeitungen verbannen würde oder in England dieses oder jenes Tabloïd. Boulevardzeitungen sind über ganz Europa verteilt die einzigen Presseorgane, die noch auf ihre Leser bauen können.  Und die nicht – im Gegensatz zu Luxemburgs institutioneller und „professioneller“ Presse – ohne das Geld des Steuerzahlers pleite sind!

Dermaßen krank, dass das „Wort“ aus einer ungewollten Verwechslung eine „Fake-News“ macht. Dabei sind es die institutionellen und staatlich subventionierten Medien in Luxemburg, die nur so von Fake-News strotzen. Die „Fake“-News zu einem Bestandteil ihrer parteilichen und perversen Berichterstattung gemacht haben.

Dermaßen krank, dass RTL, „Wort“ und Konsorten tagaus, tagein den Zuschauer und Leser hereinlegen – und dann noch so tun, als hätten sie Weisheit und Deontologie mit Suppenlöffeln gegessen.

Dermaßen krank  und heuchlerisch, dass der Presserat sich auf das Wort Deontologie beruft, seinen Mitgliedern die Trennung zwischen redaktionellem Inhalt und Werbung vorschreibt, und nicht bemerken will, wie dieses Prinzip auf dem Buckel des Lesers regelmäßig verletzt wird.

Es ist einfach lächerlich mitanzusehen, wie einige arrogante Schnösel, die  in ihrem „Journalisten“-Leben eigentlich noch nie so richtig hervortraten oder irgendetwas Außergewöhnliches geleistet haben, sich als Schulmeister des Berufes aufführen. Die im „Privat“-Verlag nicht überleben könnten, weil sie den falschen Beruf ausüben.

Übrigens: bei „Privat“ arbeiten sowohl professionelle wie auch studierte Journalisten. Die jeden Tag ihren Beruf ausüben, der nicht darin besteht, das zu reproduzieren, was die Geldgeber wollen und aufzupassen, diese nicht zu verstören, sondern mutig recherchieren und in aller Unabhängigkeit schreiben. Dass man auf solche Kollegen einen regelrechten Hass entwickelt, ist vielleicht menschlich, aber doch so beschämend und kleinkariert.

Jean Nicolas

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    svendorca

    aus diesem Kommentar kann ich nichts anderes heraus lesen als dass man verdammt ist seinem Brötchengeber die Stange zu halten.

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    Renée WUM

     

    Niemand will Luxprivat gelesen haben, doch fast jeder weiss, was drin steht. Komisch.

     

    Gelesen wird Luxprivat von den Medien, in Justizkreisen, Polizei und Behörden,

    Das ist die Zeitung, die als erste freitags gelesen wird. und dann kann man reinhauen.

     

    und dann von vielen Privatpersonen.

     

     

     

     

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    Quoideneufdocteur

    Subventionierter Journalismus ist und kann nicht unabhängig sein, denn sonst wäre er nicht überlebensfähig.

    Also, sich immer schön brav manipulieren lassen, sei es von der Politik oder den Lobbyisten.

    Klingt und riecht irgendwie, nach Gülle-Zisterne. Pfui Deibel!

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    Filipe Marques

    Da fehlt noch was. Ich habe so das Gefühl dass man Privat Leser auch nicht so gerne mag. Wer ließ diese Bombe hochgehen in Sachen Kinderehen, wer scheut sich nicht über die Düdelinger Arbed Brachen zu berichten sowie über Schwermetalle und Radioaktivität nur um Menschenleben zu retten?

     

     

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    Karlotto im Eimer

    Ai ai ai , der sidd jo schei verfollegt! Hei mei Beileedstelegram! :)

    Mei serioes, ech si frouh dass et Aer Zeitung gett dass een mol eppes gewuer gett...

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    Arbechter

    "Mensch ärgere dich nicht" eseou heescht jo daat spill, an den här kapitän vum Nicolas Verlag huet schon recht vir iwer deen staatsbezuelten "presserat" seng ansicht dodriwer ze beschreiwen, weil efektiv et eseou as dass dei presseorganer nach just duerch steiergelder um liewen gehalen gin, am interessen vun den politikbonzen an enger scheindemokratie ze glorifizeieren, oberkommandate ist ja bekannter weise der arbeitskumpan der früheren tageblatt journalistin Mutsch, journalist Infalt

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