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30.01.2012 / Wenn Missstände versanden…

Gesehen, erkannt, zugestimmt… und auf die lange Bank geschoben

Es ist, so glaube ich jedenfalls, ein klassisches Luxemburger Phänomen, dem man hier in Luxemburg in vielen Bereichen begegnet. Man sieht, erkennt einen Missstand. Spricht ihn an. Erntet Zustimmung, dass er beseitigt werden muss. Doch behoben wird dieser Missstand nie. Er versandet irgendwo.

Dieses Phänomen ist mir aufgefallen, als sich „Privat“ mit dem Kinder-Strich im Bahnhofsviertel beschäftigte. Es ist kein Geheimnis, sondern traurige Wahrheit! In der ganzen Welt gibt es Kinderprostitution. So auch in Luxemburg! Hat man bis 2006 die Augen davor verschlossen, war es das Verdienst des ehemaligen Bürgermeisters Paul Helminger, der auf den Kinder-Strich in der Hauptstadt aufmerksam machte.

Kurzweilig (genau einen Tag) wurde darüber berichtet. Kurzweilig (innerhalb einer Woche) wurde betont, dass man etwas dagegen unternehmen müsse. Getan wurde jedoch nichts.

Nach mehr als fünf Jahren muss „Privat“ feststellen, dass es in Luxemburg weiterhin Kinderprostitution gibt, dass immer noch Mädchen und Jungs im Bahnhofs-Milieu anschaffen gehen. Die Vorsätze der Luxemburger Politik sind ebenso kurzweilig, wie die Medienberichte der institutionalisierten Presse. Störende Wahrheiten nimmt man halt nicht gerne wahr, störende Wahrheiten gibt man halt nicht gerne weiter.

Dann lässt man lieber Missstände versanden!

Heinz Kerp

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