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10.12.2011 / LESERFORUM/ Die Abzocke der Auto- Versicherungen

Neue Regeln, die da heißen: „Wie zockt man die Versicherten am besten ab!“

Seit 1966 bin ich bei einer großen Versicherung in Luxemburg mit allem was man so versichert. Versichert waren vor mir meine Eltern, sogar meine ganze Familie auch schon.Wir kannten den Agenten sehr gut, waren alle bei ihm im Portefeuille, waren uns sehr sympathisch und irgendwie wurden wir in all den Jahren auch Freunde. Als es dann mit der Gesundheit nicht mehr so klappte, übernahm sein Enkel sein gesamtes Portofolio und auch mit ihm hatten wir ein sehr gutes Verhältnis.

Wir haben uns immer ganz korrekt gegenüber der Versicherung verhalten, haben nie profitiert. Aber auch die Versicherung war immer fair, wenn mal was war - also alles in allem waren wir sehr zufrieden. Nun heiratete ich und meine Frau fuhr mit unserem Wagen. Als sie dann anfing zu arbeiten, mussten wir uns notgedrungen einen zweiten Wagen anschaffen. So liefen dann zwei Autos auf meinen Namen sowie auch die Versicherungen, wie das zu der Zeit auch normal war. Meine Frau fuhr bis jetzt über 40 Jahre mit unseren Autos unfallfrei, so wie auch ich sagen kann, dass ich in all den Jahren dieses Glück hatte - und das bei dem Verkehr der bis dato herrscht.

Naja, letztes Jahr hat es mich dann doch leider erwischt. Unfall! Unachtsamkeit meinerseits. Ich war so enttäuscht von mir und schämte mich sogar, als ich es meiner Versicherung mitteilen musste. Aber meine Versicherung regelte alles zu meiner vollsten Zufriedenheit, kann auch bis jetzt nichts reklamieren. Nun aber haben die Versicherungen und somit alle neun Gesellschaften hierzulande gemeint, es müsste sich doch nun mal wirklich etwas ändern , was auch zu verstehen ist. Was so alles an Verkehrsunfällen geschieht. Dass so ein Unfall den Bonus/Malus steigen lässt und man wieder teurer bezahlen muss, ist ja auch OK. Mir ist es auch so ergangen!

Was jetzt nicht in Ordnung ist, ist, dass die Versicherungen nun hingehen und alles in einen Topf werfen und die Fahrerinnen/Fahrer zur Ader lassen. Das grenzt in meinen Augen doch schon an Abzocke. Aber alle sind sich einig! Und damit sind sie stark! Sie sagen sich, wir nehmen es jetzt von den den Lebenden. Ich war so etwas von geschockt und dann noch die Aussagen von Herrn Hammelmann, Präsident der ACA (Association des compagnies d’assurances ).

Sollte meine Frau mich überleben, was ich ihr und mir wünsche, dann sieht es für sie gar nicht mehr so gut aus! Denn sie hat jetzt zwei Autos auf meinen Namen. Jetzt kommen die Versicherungen. Ein Auto wird ganz sicher verkauft, ist ja jetzt Witwe. Verkaufe den nicht so flotten Wagen und behalte den etwas teuren Wagen, was ja immer unser Traum war. Durch Arbeiten und Sparen haben wir uns einen Wagen geleistet, der etwas teurer war. Jetzt wird sie so richtig zur Ader gelassen, denn obwohl sie 40 Jahre unfallfrei mit unseren Wagen gefahren ist, muss sie nun eine komplett neue Auto-Versicherung bezahlen. Das heißt, von neuem anfangen, elf Jahre unfallfrei fahren um den Bonuswert minus 3 zu erhalten, also 45% Bonus/Malus. Das muss man sich mal auf der Zunge zergehen lassen! Was haben die sich dabei gedacht?

Laut Herrn Hammelmann, ist das Gesetzt hart, aber es ist nun mal so! Lieber Herr Hammelmann, man merkt, es kann ihnen nicht viel an Leuten liegen, die wirklich immer nur gearbeitet haben, manchmal sehr hart, wenn sie solche Entscheidungen gutheißen. Laut Ihnen halten ja die Versicherungsgesellschaften nichts anderes als das strictu sensu ein, heißt elf Jahre unfallfrei, bei Unfall durch Selbstverschulden 3 Jahre dazu gerechnet. Aber jetzt fahren viele nur noch einen Kleinwagen, den man sich gerade noch so leisten kann, wegen der teuren Versicherungen.

Dass etwas geändert werden muss, ist zu verstehen. Dass ein Traktorfahrer, der später ein Auto fährt, eine neue Versicherung abschliessen muss OK. Dass ein Onkel, der nicht mehr Autofahren will, seinem Neffen, ein Opa seinem Enkel die Auto-Versicherung abgeben will, nicht mehr geht, verstehe ich und befürworte es sogar.

Doch Witwen abzocken? Beispiel: 1.328 ccm kleiner Wagen mit Kasko – 1.772,99 Euro - super! Was bezahlt sie dann für einen Audi, Mercedes, BMW mit 1.600 ccm oder mehr? Das muss man sich mal überlegen. Soll sie nun nur noch einfach das Auto verkaufen? Nur noch Bus fahren? Entscheidet sie sich fürs Auto, wird die Versicherung ihr die Rechnung schon präsentieren, obwohl sie 40 Jahre unfallfrei gefahren ist, sich an den Kosten der Versicherung immer beteiligt hat, ihr Mann jahrzehntelang bei ihnen versichert war - vergessen, vergangen… Jetzt zahlt sie!

Das ist einfach nur kaltblütig. Was ich mir so gedacht habe: wenn viele Versicherte das alles gecheckt haben, glaube ich, dass viele dann mehr Brandschäden, Elektroschäden und so weiter einschicken werden. Dann haben die Versicherungen etwas Tolles erreicht! Sie verarschen viele Leute, liebe Versicherungen! Eine Lösung für die Versicherten ist vielleicht das Ausland – Deutschland oder Frankreich - versichern wir unser Auto dort!

Ich bin sehr enttäuscht, meine Gattin dankt für die Abzocke! Aber alle neun Versicherungsgesellschaften sind sich einig - bravo! Arm wird ärmer, reich wird reicher! Apropos Motorrad-Versicherung: mit 16 Jahren bekam ich mein erstes Motorrad und fuhr bis 2004 unfallfrei verschiedene Motorräder. Dann fuhr ich nur noch Auto. Sollte mich jetzt wieder ein Kribbeln überkommen und mir wieder mal ein Motorrad zuzulegen, mein lieber Scholli, dann muss ich auch wieder bei 11 anfangen, denn die Motorrad-Versicherung ist verfallen - einfach so!

Ich habe noch einen Vorschlag, liebe Versicherungen, lieber Herr Hammelmann, warum muss nicht auch noch eine meue Versicherung abgeschlossen werden, wenn man den Wagen wechselt, also sich ein neues Auto kauft. Bringt eine neue Einnahmequelle!

John Weibel

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