19.03.2012 / "Er band mich nackt, mit einer Kette am Hals, am Bett fest"

Das Buch "Das Pädophilennetzwerk" von Jean Nicolas (VI)

Sabine ist moralisch am Ende und dort angekommen, wo Dutroux sie hinführen wollte. Nach einigen Wochen Gefangenschaft und Bearbeitung durch ihren Schänder, schreibt sie erneut einen Brief an ihre Eltern :

« Ich bin sehr froh, dass ihr mir alle verziehen habt und dass ihr mir viel Glück wünscht. » Und sie schlussfolgert in Bezug auf ihr Verschwinden : « Verzeiht mir all das Böse das ich euch angetan habe ».

Dutroux bringt die Kleine soweit, dass sie Zeichnungen anfertigt, vier an der Zahl, auf denen Sabine sich selbst darstellt, lächelnd, betitelt « Vorher/Nachher » oder « Haare von Papa und Mama geschnitten »und « Haare vom Monsieur geschnitten ».

Sie biedert sich bei ihrem Vater an ; sie stellt Kreuzworträtsel her, denn ihr Vater mag diesen Zeitvertreib. Sie inspiriert sich von Rätseln, die sie in alten Zeitschriften findet, die Dutroux ihr zum Zeitvertreib in den Kerker legt. Diese Kreuzworträtsel und Zeichnungen werden ebenso wie die Briefe nach der Verhaftung von Dutroux unter dem Teppich des Wohnzimmers von Polizisten wiedergefunden.

Im Laufe der dahingehenden Wochen werden die Eintragungen dieser modernen Anne Frank immer systematischer. Sabine spielt mit den Zahlen. Sie schreibt Uhrzeiten auf, wie zum Beispiel : « Zwei Minuten nach eins : Zwei ist die Hausnummer meiner Taufpatin . Drei nach eins : Ich weiss nicht. Fünf nach eins : Ich weiss nicht. Sieben nach eins : Sieben ist meine Lieblingsziffer. Acht nach eins : Acht ist die Lieblingsziffer von Sebastien. Zwölf nach eins : Mein Alter. Dreizehn nach eins : Geburtsdatum von Bobonne. » Dieses System geht stundenlang weiter, Sabine versucht mit jeder Zahl Erinnerungen aus dem Umfeld ihrer Familie aufzurufen und seien es nur die Schuhgrössen der ihr Nahenstehenden.

Sabine erklärt, dass sie in ihrer Zelle versucht hat, irgendwie am Leben ihrer Familie teilzunehmen. Die Arbeitstage ihrer Mutter sind im Tagebuch gekennzeichnet :

« Ich wusste, dass sie jedes zweite Wochenende zur Arbeit ging, ich wusste, dass sie jeden zweiten Dienstag frei hatte. Ich sagte mir immer, dass um diese oder jene Uhrzeit Mutter ihre Arbeitstelle verlässt. Papa hatte eine regelmässigere Arbeitszeit.“

In ihrer primitiven Zelle hatte die kleine Sabine mehr als genug Zeit, über ihre Entführung nachzudenken und ihre Ereignisse immer wieder zu erleben. Ihr Bericht ist heute, mehr als neun Jahre später, noch sehr genau :

« Es war am 28. Mai 1996, um sieben Uhr fünfundzwanzig, ein ganz normaler Dienstag ». Das kleine Dorf Kain, nur einige Kilometer von der belgischen Stadt Tournai enfernt, lebt auf wie jeden Morgen.

« Ich ging zusammen mit meinem Vater zur Haustür hinaus, mein Vater bog sofort nach rechts ab und ich nach links, in Richtung meiner Schule. Dieser Weg führt von unserer Wohnung zum Collège Notre Dame wo ich die erste Klasse des Sekundarunterrichts besuchte. An diesem Tag beeilte ich mich, den Weg zur Schule mit meinem grünen Fahrrad zurückzulegen.

Kurze Zeit später fuhr in der Rue du Stade ein weisser Lieferwagen an mir vorbei. Alles ging sehr schnell. Ich habe nichts bemerkt. Ich habe nicht auf die vorbeifahrenden Wagen aufgepasst. Ich bemerkte wie der Wagen stehenblieb, aber dies hat mich nicht beunruhigt. Als ich am Wagen vorbeifuhr, zog eine Hand mich mit meinem Rucksack ins Auto hinein und der Mann packte ebenfalls mein Fahrrad in den Lieferwagen . Meine Schwimm-und Sportsachen waren auf meinem Fahrrad festgebunden. Das Auto fuhr sehr schnell. Ich nahm an, dass wir uns auf der Autobahn befinden würden. Ich konnte allerdings nicht aus dem Wagen heraussehen. An den Fenstern hingen Vorhänge. Dutroux versuchte mir mehrere weisse Pillen in den Mund zu stopfen . Ich habe sie aber wieder rausgespuckt ».

Die ersten Aussagen von Sabine bei der Polizei bestätigen dieses Szenario. Hier erzählt Sabine, dass sie die besagten Pillen mit ein wenig Coca-Cola schlucken musste.

« Weil ich aber immer noch nicht schlief, hat er mir wieder drei oder vier Pillen gegeben und schliesslich mehrere Tropfen mit einem Tropfenzähler in den Mund eingeführt . Ich war benommen. Ich denke, ich habe einige Zeit geschlafen. Ich bin aber wieder schnell aufgeweckt. Ich fragte sofort Dutroux wo der Rest meiner Cola wäre. Er hat mir geantwortet, dass der andere (AdA: Michel Lelièvre) sie ausgetrunken hätte. In diesem Moment war das Auto noch immer in Bewegung. Die beiden Männer haben mich am Ende der Reise im Wagen in eine blaumetallik Stahlkiste eingesperrt. »

Polizeibeamte stellten später fest, was Dutroux auch in den Verhören bestätigen wird : bei den Sabine verabreichteten Tropfen handelte es sich um Rohypnol, ein Medikament der Kategorie der Psychotropen, das zum Beispiel als Substitutionsmittel für Heroin angewendet wird. Dieses Medikament wird im Falle von Sabine und deren heutigen Erklärungen noch eine grosse Rolle spielen, wie wir in den folgenden Seiten sehen werden.

In Marcinelle angekommen, wurde die „ ganz “ spezielle Fracht der beiden Kinderräuber in der Metallkiste ins Haus getragen. „Im Innern des Hauses wurde ich aus der Kiste befreit“.

Sabine war wieder zu sich gekommen, so dass sie selbstständig die Treppe zum ersten Stockwerk hinaufgehen konnte.

« Ich wurde zwei bis drei Tage Oben gefangen gehalten. Ich musste mich nackt ausziehen. Dann musste ich mich auf das Bett legen und Dutroux band mich mit einer Kette am Hals am Bett fest. Dutroux ist mehrmals zu mir gekommen. Danach wurde ich in der Zelle im Keller eingesperrt.“

FORTSETZUNG MORGEN

TEIL V

News

News Archiv

CPE est une société de crédit proposant des solutions sur mesure aux résidants luxembourgeois. Pour toutes vos questions ou simulations de crédit, vous pouvez nous contacter via le numéro gratuit 8002 5900

 

 
 
 
v