25.01.2012 / EXKLUSIV/ Brustimplantate-Skandal: Wurden Strohmänner in Luxemburg ermordet?

Drei suspekte Tote im direkten Umfeld des PIP-Chefs

Exklusivbericht aus unserer Redaktion

Drei Tote in kürzester Zeit, alle Gesellschafter einer Firma in Luxemburg. Alle hatten mit den tödlichen Brustimplantaten der französischen Firma PIP zu tun. Die Umstände, wie die Männer zu Tode kamen, geben zu denken: einer stürzt sich vom Balkon seiner Wohnung auf dem Limpertsberg. Der Zweite stirbt in der gleichen Wohnung an einer Überdosis. Der Dritte verunglückt mit seinem Motorrad.

„Etwas viele Zufälle in kurzer Zeit in einem hochbrisanten Umfeld“, erklärt ein Mitglied der Police Judiciaire. Wurden die Strohmänner des Chefs der Herstellerfirma wohlmöglich ermordet? „Eine These, die diskutiert wird“, so der Beamte zu „Privat“. In dem internationalen Fall, in den inzwischen auch Interpol eingeschaltet ist, wurde Luxemburg bereits um Amtshilfe gebeten.

Inzwischen kam heraus, dass PIP-Chef Jean-Claude Mas selbst über einen längeren Zeitraum in der rue de Bourgogne 64 in Luxemburg gewohnt hat. Damit hat der französische Brustimplantate-Skandal Luxemburg erreicht. Der Chef der Herstellerfirma PIP, Jean-Claude Mas, hatte in Luxemburg ein kompliziertes Firmengeflecht mehrerer Briefkastenfirmen in der rue Jean Engling in Dommeldange installiert. An deren Spitze die Finanzgesellschaft Graham Turner Ltd. Dieses lukrative Steuerspar-Modell wurde über besagte Strohmänner abgewickelt.

Die sind inzwischen tot, können keine Auskunft mehr über die finanziellen Machenschaften geben. Die Firmen wurden zwischenzeitlich alle aufgelöst, sämtliche Spuren verwischt. Die 1991 in der Nähe von Toulon in Südfrankreich gegründete, inzwischen liquidierte Firma PIP, war weltweit drittgrößter Hersteller von Brustimplantaten. Doch sie setzte kein medizinisches Silikongel, sondern ein sehr viel billigeres Gel ein.

Das damit jahrelang verdiente Geld floss nach Luxemburg, was einmal mehr den Finanzplatz in ein schlechtes Licht rückt. In Frankreich erkrankten bereits 20 der rund 30.000 Trägerinnen von PIP-Implantaten an Krebs, mindestens zwei starben. In Deutschland sind es 7.500, in Belgien 650 Opfer. Weltweit sind etwa 500.000 Frauen betroffen.

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