05.09.2010 / Auf in den Kampf!

Immer mehr Luxemburger engagieren sich in Protestbewegungen und kehren der Parteipolitik den Rücken

Der Sonntagskommentar aus unserer Redaktion

Noch sind wir Luxemburger keine richtigen Aufständigen, aber es wird kommen! Unweigerlich! Was in Deutschland seit Monaten zu einem Kaleidoskop von protestierenden Bewegungen heranwuchs, wird auch hoffentlich bald in Luxemburg Einzug halten. Und hat auch schon begonnen. „Die Dagegen-Republik“, schrieb das deutsche Magazin „Der Spiegel“ diese Woche und berichtete in einer langen Titelstory über die Protestwelle, die durch Deutschland rollt und so langsam Deutschland überrollt. Und auch in Luxemburg sieht man immer mehr Menschen, die mit einer administrativen oder politischen Entscheidung nicht einverstanden sind, auf die Barrikaden steigen, Protestbewegungen gründen oder sich wenigstens in solche integrieren.

Ob es sich nun um einen wegradierten Spielplatz handelt, ob die nationale Eisenbahn eine neue Strecke durch ein Wohngebiet verlegen will, ob eine Straße ausgebaut oder eine andere verkehrsberuhigt werden soll, der Bürger engagiert sich immer mehr und immer öfter. Er steht hinter Petitionen und Bewegungen, um sich für seine persönlichen Ideen und seine zu verteidigenden allgemeinnützigen oder privaten Interessen einzusetzen. Ein sehr konkretes und sichtbar immer mehr wachsendes politisches (auch und vor allem, was gegen die Politik oder die Behörden geht, ist politisch) Engagement für ganz oft Detailfragen, während zur selben Zeit das Interesse des Bürgers an der Parteipolitik und den Wahlen schwindet.

Das Volk, das jahraus jahrein für dumm verkauft wird, fängt an sich zu wehren. Bürgerinitiativen und Protestkomitees wachsen auch im Ländchen an allen Ecken heran. Und es ist bestimmt kein Kampf gegen Windmühlen, dem wir da beiwohnen, sondern das Emporkommen eines sozialen und politischen Bewusstseins des lange entmündigten Bürgers, der sich jetzt immer mehr und immer öfter gegen die behördliche Willkür auflehnt.

Wir können dies nur anheizen, nur unterstützen. Zu aalglatt ist heute die Politik, zu groß der Spalt zwischen den alle fünf Jahre gemachten Versprechen und dem Abrechnungsdatum bei dem nächsten Wahltermin und zu süffisant die Einstellung so mancher Politiker (und natürlich vor allem Behörden und Staatsdiener, die die Bedeutung des Wortes „Diener“ seit langem vergessen haben), als dass es nicht Zeit wäre, dass der Bürger als Gruppe sein eigenes Schicksal und so auch das des Landes in dem er wohnt, in die Hand nimmt. Und wenn unsere Zeitung irgendeine Protestbewegung unterstützen kann, dann wird sie es tun. Man braucht sich nur an unsere Redaktion zu wenden.

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